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Wissenswertes über Jane Austen: Ein Interview mit Elsemarie Maletzke

Faszination Jane Austen: Wer kennt sie nicht, ihre Werke „Stolz und Vorurteil“ oder „Sinn und Sinnlichkeit“ und schwärmt heimlich für Mr. Darcy oder Willoughby? Auch wenn die Erschafferin dieser Romane für die meisten erst durch die romantischen Verfilmungen ins Blickfeld gerückt ist, so lohnt es sich ihre Bücher (wieder) in die Hand zu nehmen und mehr über ihr Leben zu erfahren. Das Lesen der Bücher können wir euch nicht abnehmen, aber das Nachspüren des Mysteriums Jane Austen. Was macht sie zu einer der erfolgreichsten englischen Autorinnen (nach oder mit oder vor Joanne K. Rowling)? Wie kommt es, dass die Verfasserin der größten Liebesgeschichten selbst nie geheiratet hat? Kaum einer weiß mehr über die Autorin Jane Austen als deren Biographin Elsemarie Maletzke. Für Lore & Belle hat sie uns unsere neugierigen Fragen beantwortet, damit wir Jane Austen 200 Jahre nach ihrem Tod näher kommen dürfen.

Inhalt

ELSEMARIE UND JANE

Wie kommt Biographin Elsemarie Maletzke zu Jane Austen?

Was hat Sie dazu bewegt über Jane Austen zu schreiben?

Es war ein Angebot meines Verlegers; eins von denen, die man nicht ablehnen kann.

Was verbindet Sie mit Jane Austen, wo erkennen Sie sich vielleicht auch wieder?

Ich schätze sie über die Maßen; ich bewundere ihr schriftstellerisches Genie, ich sympathisiere mit dem Weg, den sie eingeschlagen hat, aber sie ist ein sehr weit entfernter Mensch, dessen Lebenswirklichkeit nachzufühlen uns nicht wirklich gegeben ist.

Wie würden Sie jemandem von Jane Austen und ihrer Bedeutung für die Nachwelt erzählen, der noch nie von ihr gehört hat?

Ich würde ihm oder ihr empfehlen, meine Biographie zu lesen. Nein, im Ernst, das ist ein zu großes Unterfangen. Man wird von ihren Büchern angesteckt, oder sie lassen einen kalt. Das ist ok. Ich würde einen Vorschlag machen, nicht mehr.

Anm. d. Redaktion:Elsemarie Maletzke: JANE AUSTEN. Eine Biographie, Schöffling & Co. Verlagsbuchhandlung GmbH, Frankfurt am Main 1997.

JANES EPOCHE

Was war das für eine Zeit, in der Jane Austen gelebt hat?

Was müssen wir über die Zeit in der Jane Austen gelebt hat wissen, um ihr Werk richtig zu verstehen?

Dass Frauen im 18. und 19. Jahrhundert dieselben Rechte wie die Arbeiter hatten, nämlich keine. Dass sie kaum eine Wahl, keine höhere Bildung, keinen Beruf, kein eigenes Geld, kein Recht auf ihre Kinder, keine Wohnung, oft nicht einmal ein Zimmer für sich hatten. Dass eine Ehe ohne finanzielle Sicherheit geradewegs ins Elend führen musste und dass Frauen auf Gedeih und Verderb ihren Vätern und Ehemännern ausgeliefert waren. Dass Freidenkertum ungefähr so angesehen war wie heute Pädophilie und dass es weder Anästhesie noch Penicillin gab – give me ten minutes to stop.

Die Abhängigkeit der Frauen von einer vorteilhaften Heirat oder Verwandten, die diese finanziell unterstützen, wird in ihrer Biographie verdeutlicht. Ist diese Stellung der Frau der Schlüssel zum Verständnis von Jane Austens Werken? Haben wir als moderne Frauen des 21. Jahrhundert diese Abhängigkeit noch nicht überwunden, oder warum faszinieren uns Liebesgeschichten in diesem Setting noch heute?

Ja, das ist ein Schlüssel. Uns geht es gold im Vergleich, aber warum sich manche Menschen nach Abhängigkeit sehnen, oder danach, auf Händen getragen zu werden, ist mir ein Rätsel. Doch jeder Eskapismus in Richtung schöne Kleider, schöne Häuser, vollendete Gentlemen ist erlaubt. Das betrifft ja nicht nur Jane Austens Werke.

Gibt es etwas, was Sie sich aus dieser Zeit zurück wünschen?

Manieren.
JANES CHARAKTER

Wer und wie war sie eigentlich, unsere Jane?

Jane Austen wird als reizende Persönlichkeit beschrieben, sie selbst hat einen Heiratsantrag abgelehnt. Woran liegt es Ihrer Meinung nach, dass Jane Austen, die jedes ihrer Werke mit mindestens einem Ja-Wort endet und wir ihre Werke als romantische Träumereien wahrnehmen, selbst nie geheiratet hat? War es im Grunde für sie gar nicht erstrebenswert und ausgefüllt durch ihr aktives Sozialleben mit Nachbarn und Freunden sowie ihrer Familie (enge Geschwisterbeziehung zu Cassandra, Nichten wie Anna und Fanny)?

Jane Austen war Realistin und keine Romantikerin. Und sie war Moralistin. Dass wir ihre Werke als romantische Träumerei wahrnehmen, ist ein Irrtum. Die komische Figur einer Mrs. Bennet verschleiert nur, dass die vielen Töchter verheiratet werden mussten. Und die Ehen, die am Ende geschlossen werden, versprechen oft ein eher nüchternes Glück (Sense & Sensibility) oder den nächsten Krieg (Persuasion). Die leichtsinnigen jungen Frauen, die gefehlt haben, werden bestraft, indem sie den falschen Mann heiraten (Pride & Prejudice) oder ihr Leben bei einer grässlichen Tante beschließen müssen (Mansfield Park).

Würden Sie Jane Austens Leben als glücklich und erfüllt beschreiben?

Ich hoffe, das war es. – Aber, wie gesagt, wir wissen es nicht; wir stellen uns nur immer etwas vor. Diese Anmaßung hat mich mit der Zeit davon abgebracht, eine weitere Biographie zu schreiben.

Was würde Jane Austen ihren Lesern an die Hand geben?

Lass dich zu nichts überreden und halte deinen Geldbeutel fest.

Hat Sie bei der Recherche etwas erstaunt oder überrascht, was Sie bis dahin nicht wussten über Jane Austen oder die Zeit, in der sie gelebt hat? Was wollten Sie herausfinden, als Sie die zahlreichen Briefe im Bezug zur Familie Austen gelesen und über Jane Austen recherchiert haben?

Wer eine Biographie schreiben soll oder will, muss alle Quellen befragen und nutzen, sonst kann er gleich einen Roman schreiben (wie ich es bei Fanny Burney, Austen literarischer Vorfahrin getan habe). Aber er oder sie muss sich auch gewärtig sein, dass die biographische Wahrheit nicht zu haben ist (Freud) und die Erinnerung – auch die ihrer Zeitgenossen – eine große Betrügerin ist. Insofern bin ich auf alles gefasst.

JANES ERFOLG

Was macht das Werk von Jane Austen so erfolgreich?

Was glauben Sie, Frau Maletzke, macht die Werke von Jane Austen heute noch so erfolgreich?

Ihr Mangel an Sentimentalität. Ihr Spott. Ihr glänzender Stil. Vielleicht auch die Gewissheit, dass wir darin von Mord und Totschlag verschont bleiben.

Wie würden Sie die Besonderheit, den Wert und die Kunstfertigkeit von Jane Austen beschreiben? (In ihrer Biographie wie folgt: "Keine andere verstand es wie sie, mit leichter Hand das scheinbar Widersprüchliche zu verbinden: scharfe Beobachtung und zartes Verstehen, Farce und Drama, Wortwitz und Moral." oder "zurück zu Witz und Leichtigkeit des vorherrschenden Stils")

Besser kann man es nicht sagen.

Welches Werk, welcher Charakter und welche Verfilmung gefallen Ihnen am besten und berühren Sie aus welchem Grund?

Persuasion, auch in der BBC-Verfilmung von 1995. Mein liebster Charakter ist Captain Wentworth. Ein fühlender Mann ohne Schmalz und ohne Blödigkeit.

Wer wäre Ihre/eine Jane Austen von heute?

Sie ist eine singuläre Erscheinung in der Literaturgeschichte. Es gibt zeitlose Werte, die sie Tugenden nennen würde: Fairness, Freundlichkeit, Anstand, aber wir würden uns in ihrer Welt nicht zurechtfinden und sie sich in unserer auch nicht. Ich schätze eine zeitgenössische Autorin, Jane Gardam, die keine Austen von heute ist, aber eine brillante Stilistin, was die Zeichnung des Milieus und der Charaktere angeht – und den Witz.

BERUFUNG DER BIOGRAPHIN

Zum Werdegang von Elsemarie Maletzke, Biographin von Jane Austen

Welcher Berufung würden Sie nachgehen, wenn Sie um 1800 gelebt hätten?

Ich wäre gern ein Mann mit Land und Geld gewesen.

Wann wurde Ihnen klar, dass Sie eine Karriere als Journalistin/Autorin anstreben wollten?

Karriere? Ich habe mit 19 ein Volontariat in einer Lokalredaktion der Rhein-Zeitung begonnen, weil es das Nächstliegende war. Zwei Jahre später bin ich zu der Satire-Zeitschrift „Pardon“ gegangen, wo ich Schreiben erst gelernt habe („mind your reader!“). Aber ich war auch später keine besonders gute Redakteurin, weil ich einfältiges Geschreibsel nicht ertrage und lieber einen Text umschreibe als mit dem Autor/der Autorin darüber zu verhandeln. Mein erstes richtiges Buch ist 1988 erschienen, „Das Leben der Brontës“. Inzwischen schreibe ich lieber über fiktionale Figuren. Sie sind freier; ich bin es auch.

Welche Herausforderungen sind Ihnen auf diesem Weg begegnet?

Die übliche Wichtigtuerei und Überheblichkeit von Männern. Aber auch ihre Unterstützung.

Wie geht es für Sie weiter, an welchen Projekten arbeiten Sie gerade?

Ich bin gerade mit einem neuen Buch fertig geworden, das im Herbst 2023 erscheinen wird, „Agathes dunkler Garten“; ein Krimi.
Hallo, ich bin Isabelle
Als Gründerin von Lore & Belle glaube ich an die Kraft von Geschichten und Held*innen, die uns als Persönlichkeit stärken und als Wegweiser für unser eigenes Leben dienen können. Unsere Schnittmuster können den Zugang zu starken Vorbildern und deren Geschichten erleichtern. Lass dich inspirieren und schreib' deine Geschichte selbst!
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